Düsseldorf, 21. Mai 2026 – Über Energiepreise wird in Deutschland seit Jahren gestritten. Meist geht es um Stromkosten, Netzentgelte, CO₂-Preise oder Entlastungspakete. Das erste „Anlegerbarometer“, für das die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) gemeinsam mit der Strategieberatung Argon & Co rund 700 Anleger in Deutschland befragt hat, zeigt: 81% der Befragten erwarten, dass Energie- und CO₂-Kosten die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland 2026 eher stark oder sehr stark beeinflussen. „Das ist ein klares Signal. Hohe Energiekosten werden nicht mehr nur als Problem einzelner Branchen wahrgenommen, sondern als Belastung für den Standort insgesamt. Gerade für energieintensive Unternehmen sind Strom-, Gas- und CO₂-Kosten längst ein entscheidender Faktor. Sie beeinflussen Investitionen, Margen, Standortentscheidungen und die Frage, ob Produktion in Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleibt“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.
„Gleichzeitig macht die Befragung deutlich, dass eine reine Debatte über Energiepreise zu kurz greift. Denn auch dort, wo Entlastung angekündigt wird, bleibt die Skepsis groß“, so Andreas Schwenzer, Partner und Leiter der Energy Practice bei Argon & Co. Im Durchschnitt bewerten die Befragten die angekündigten Maßnahmen der Bunderegierung nur mit der Schulnote 4,5. Mehr als die Hälfte vergibt sogar eine 5 oder 6. „Klar ist, dass viele Befragte darin bislang keine spürbare Entlastung sehen.“ so Schwenzer.
Interessant aus Anlegersicht ist, dass lediglich 8,1% der Befragten angeben, ihr Portfolio infolge steigender Energie- und CO₂-Kosten eher stark oder sehr stark verändert zu haben. „Die Anleger haben offensichtlich verinnerlicht, dass Ruhe und Besonnenheit an der Börse die besten Ratgeber sind, auch und gerade mit Blick auf die jüngsten Volatilitäten aufgrund der weltpolitischen Lage“, sagt Marc Tüngler.
Bürokratie und Regulierung als größte Wachstumshemmnisse
Besonders aufschlussreich wird der Blick auf die größten Wettbewerbsnachteile deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich. An erster Stelle stehen hier nicht Strom- oder Gaspreise, sondern Bürokratie und Regulierung. 78,2% der Befragten nennen Bürokratie und Regulierung als einen der größten Wettbewerbsnachteile. Erst danach folgen Strompreise mit 52,8%, CO₂-Preise mit 28,7% und Gaspreise mit 17,8%. Das macht die Energiepreisdiskussion nicht weniger wichtig. Die Zahlen zeigen klar, dass Strom-, Gas- und CO₂-Kosten ein erhebliches Problem bleiben. Gleichzeitig wird deutlich, dass hohe Kosten besonders dann zum Standortnachteil werden, wenn Unternehmen zusätzlich mit Bürokratie, langen Verfahren und unsicheren regulatorischen Rahmenbedingungen kämpfen.
„Für Unternehmen entsteht daraus eine doppelte Belastung. Einerseits steigen die Kosten durch Energie-, CO₂-Kosten und regulatorische Anforderungen. Andererseits kosten Verfahren, Nachweise, Abstimmungen und Unsicherheit Zeit“, so Schwenzer. Genau diese Kombination ist gefährlich, weil sie Entscheidungen verlangsamt, Investitionen erschwert und den Standort weniger attraktiv macht. Hinzu kommt der internationale Wettbewerbsdruck. 79% der Befragten sehen den größten Druck derzeit aus China. Die USA folgen mit deutlichem Abstand. „Auch das passt ins Bild. Deutschland wird nicht nur als teuer wahrgenommen, sondern auch als langsam. Andere Märkte skalieren schneller, investieren konsequenter und treten industriepolitisch klarer auf“, sagt Marc Tüngler. „Damit wird die Energiefrage zur Standortfrage und die ist entscheidender als der Strompreis.“
Hier reicht eine Entlastung an einer einzelnen Stelle nicht aus. Das Anlegerbarometer zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht allein durch niedrigere Kosten entsteht. Genauso wichtig sind Tempo, Planbarkeit und Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen. „Deshalb sollte die Debatte über Energiepreise breiter geführt werden. Wer den Standort Deutschland stärken will, muss nicht nur über Strompreise sprechen, sondern auch über das, was Unternehmen im Alltag ausbremst. Hohe Energiekosten und bürokratische Hürden gemeinsam schwächen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland“, sagt Burkhard Wagner, Geschäftsführer von Argon & Co in Deutschland.
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